Ohne ist auch nicht schöner

Die ganze Geschichte ist nicht schön. Ich warne nur vor. Wer jetzt aufhören möchte, sollte das tun. Lest was anderes - von mir aus auch Thomas Mann, wenn es sein muss. Oder guckt nen blöden Film. Oder kaut Nägel. Jedenfalls finde ich selbst alles schöner, toller und besser als das, was ich hier schreiben werde.

Aber es soll ja losgehen.

Wo fängt man an? Am Anfang? Nee! Dann müsste ich weit in die Vergangenheit gehen. Fange ich doch besser da an, wo ich gerade stehe.

Ich bin 38 Jahre und habe jede Menge Probleme. Vor allem selbstgemachte. Die sind ja bekanntlich die, die am hartnäckigsten sind. Mein Problem ist männlich, 43 Jahre alt und ein ziemlicher Widerling. Aber ich kann einfach nicht gehen. Ich lasse mich lieber weiter erniedrigen und verletzen. Ohne ihn zu sein - allein der Gedanke löst Panikattacken aus. Und wenn ich Panik sage, dann meine ich auch Panik.

Warum ich nicht gehe, wo es doch nicht schön ist? Weil "schön" für mich noch nie ein Qualitätsmerkmal für ein gutes Leben war. Und weil ohne eben auch nicht schöner ist.

99 Prozent meiner verfügbaren Lebenszeit verbringe ich mit Gedanken an ihn. Ich zerbreche mir den Kopf, wie es ihm geht (meistens geht es ihm nämlich schlecht), was er so macht (wahrscheinlich wie immer nichts) und warum alles zwischen uns so schwierig ist. Nebenbei gehe ich natürlich auch noch arbeiten, esse, trinke und schlafe. Wenn es denn geht. Im Moment geht das alles nicht so gut. Ich bin über diesen Kummer nämlich mittlerweile richtig krank geworden. Richtig KRANK!!! Nicht im Kopf. Nein! Nach den Aussagen meiner Mitmenschen bin ich eigentlich ein ziemlich intelligentes Wesen mit einer ganzen Menge positiver Eigenschaften wie Kreativität, Humor und Einfühlungsvermögen. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Mein Scheiß- Einfühlungsvermögen hat mir nämlich mein Scheiß-Genick gebrochen, weil ich mich nur um diesen Scheiß-Mann kümmere.

Der (wir nennen ihn der Einfachheit halber einfach mal DD) interessiert sich zurzeit für vieles - aber garantiert nicht für mich. Jeden Abend warte ich auf einen Anruf oder ein anderes Lebenszeichen. Das kommt aber nicht. Weil der werte Herr mal wieder keine Lust hat, den Hörer hochzuheben und mit mir zu sprechen. Dabei gibt es jede Menge, worüber wir sprechen  müssten. Unsere total verfahrene Beziehung zum Beispiel. Aber das alles ist ja kein Spaß - und da DD auf Spaß steht, meidet er mich wie die Pest persönlich.

Kennengelernt habe ich DD vor über 16 Jahren. Seit dieser Zeit weiß ich, dass das Leben mit ihm nicht einfach ist - und nie einfach sein wird. Ich habe das aber immer hingenommen, weil ich dachte: Hey, schwierig ist schön - einfach kann jeder. Auch eine Lebenseinstellung - aber keine gesunde.

DD ist eigentlich ein netter Mensch, den alle mögen und den alle unglaublich toll, charismatisch und gutaussehend finden. Gehen wir gemeinsam durch einen Supermarkt oder durch die Stadt, dann bleiben die Frauen wie hypnotisiert stehen und gaffen ihn an. DD merkt das nicht mal  - oder er zeigt es nicht. Die Frauen haben immer (IMMER) nette, normale Männer an ihrer Seite. Und ich denke dann: Mensch, Frau, sei doch froh, dass du so ein nettes Exemplar hast. Behalte den. Diesen hier, den willst du gar nicht haben - das verspreche ich dir.

Mit zwei Sachen muss ich an dieser Stelle direkt aufräumen: Nein, ich hasse Männer nicht. Ich mag Männer, ich finde Männer toll, ich liebe sie. Aber dieser Eine, der ist schwer zu ertragen. Und: Ich bin nicht eifersüchtig. Weil ich ihn ja eigentlich endlich aus meinem Leben streichen möchte. Da wäre ein Frau, die ihn mir vor der Nase wegschnappt, ja schon fast eine Verbündete zu nennen.  Aber das nur nebenbei.

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Ich will mein Leben zurück! Das ist mein Ziel. Nach all den Jahren habe ich eingesehen, dass ich dieses Ziel gemeinsam mit ihm nicht erreichen kann. Allein - es scheitert an der Umsetzung dieser Erkenntnis in eine zielgerichtete Handlung. Ich falle immer wieder um und krieche zu Kreuze. Und genau das will ich doch nicht mehr. Ich will also von diesem Scheitern berichten. Denn meine Freunde, die ich seit Jahr und Tag mit DD-Geschichten bis aufs Blut nerve, sagen, dass die ganze Sache einen immensen Unterhaltungswert hat - wenn man nicht direkt betroffen ist. Also: Schön wird die Geschichte nicht - aber mörder-unterhaltsam. Ist alles dabei: Sex, Drugs, Rock'n'Roll, Liebe, Leiden, Krankheit, Tod, Verwünschungen... alles also, was eine gute Geschichte braucht.

4.8.10 18:26

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